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Moria brennt !
#21
(10-08-2020, 12:21 PM)Dorena Verne schrieb: Hier unser Anschreiben, welches auch als mail raus ging.:

Offener Brief
An: Die Präsidentin der Europäischen Kommission Dr. med. Ursula von der Leyen (CDU)

Sehr geehrte Frau Dr. von der Leyen,

ich wende mich heute an Sie im Namen einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich in einer virtuellen Welt (Dorenas-World) zusammen gefunden haben. Anlass ist hierbei ein Event, welches wir in der Zeit vom 21. - 27.9. in diesem virtuellen Raum durchgeführt haben, um unter dem Titel "Moria brennt!" Unterstützung für die Hilfe zu organisieren, die Alea Horst in diesen Tagen vor Ort in Zusammenarbeit mit dem Arzt Dr. med. Gerhard Trabert geleistet haben.

Über diese Hilfsaktion berichtete auch der SWR in einer 30-minütigen Dokumentation. Wir bitten Sie eindringlich, sich die Zeit zu nehmen, diesen Bericht vollständig anzusehen. Die Hindernisse die sich den Helfern bei ihrer Tätigkeit von offiziellen Stellen und nicht zuletzt auch von Seiten der EU entgegenstellten, haben bei uns Betroffenheit und Entsetzen ausgelöst. Bei den Helfern haben diese Widrigkeiten viel von der dringend benötigten Kraft aufgezehrt:

Alea Horst schreibt am 5.10.2020 auf Facebook:
"...
Ich filme und fotografiere, helfe wo ich kann. Aber es fällt mir immer schwerer meine hoffnungsvolle und freundliche Art nicht gegen ein von Schrecken und Verzweiflung geplagtes Gesicht zu verlieren. Fabiola nennt mich liebevoll nur noch Pinguin, weil ich so langsam watschel. Alles zieht an meinen Schultern.
Helfer sind dazu da um den Menschen etwas Freude und Hoffnung zu geben, woher soll ich die nehmen? Meine Schultern brechen als ich die Nachricht der Bundesregierung erhalte. Gemeinsam lächelnd beschlossen: maximal 1500 Leute von allen Inseln und aus Athen. Keine Rettung für die Menschen aus Moria. Da bin ich einfach getaumelt, verliere meine Contenance.
Eine Familie die ich auch schon lange kenne fragt mich warum niemand kommt und hilft. Dass ich ihnen die Wahrheit sagen soll. Dass doch so viele Journalisten da sind. Video Kameras, und Fotoapparate nonstop. Dass die Welt doch sehen muss, was hier passiert. Nachdem sie seit über einer Woche auf dem Lidl Parkplatz schlafen und Hunger haben. Die Kinder mit Tränengas beschossen wurden. Warum reagiert niemand fragen sie mich?
Ich sagen ihnen, dass das nicht meine persönliche Meinung ist, aber ich ihnen erkläre wie es ist:
Ich sage ihnen, dass es kein Land gibt, was sie haben will. Dass es um Geld geht und um Macht um Angst vor Fremden und Rassismus und um skrupelloses Bereichern. Ich schaue dabei zu Boden und bin entsetzt über meine eigenen Worte. Das habe ich noch nie so ausgesprochen. Der Vater schreit mich an und sagt: dann deportiert uns zurück nach Afghanistan, lieber sterben wir dort als weiter so leben zu müssen. Ein junger Mann in der Runde sagt: du lügst Alea, das würde niemand machen, die deutschen sind doch gute Leute. Niemals würden wir in Afghanistan sowas anderen Menschen antun sagt er mir. Eine Frau in der Runde sagt mir ich solle ihr Kind nehmen. Bitte wenigstens ihr Baby in Sicherheit bringen, raus aus der Zone, bis nach Deutschland. Sie und ich haben Tränen in den Augen.
..."

Wir bitten Sie im Namen der Menschen, die hier in unmenschlichen Zuständen gefangen sind, um Ihre Intervention. Als Ärztin muss es doch auch Sie erschrecken, wie der Europäische Gerichtshof eine medizinische Stellungnahme des einzigen vor Ort aktiven Mediziners vom Tisch wischt und feststellt, dass die Umstände für den Patieneten "in Ordnung" seien.

Wir bitten Sie in Ihrer Eigenschaft als Präsidentin der Europäischen Kommission um Intervention.
Wir bitten Sie um Einflussname bei Ihrer Partei, die Jesus Christus in ihrem Namen führt, aber deren Minister besorgt ist "ein falsches Signal" zu senden, wenn er Menschen in tiefster Not beisteht.
Wir bitten Sie nicht zuletzt als Mensch um Ihre Stimme, darum zu verhindern, dass diese Menschen erneut hinter Stacheldraht eingepfercht und von der Welt vergessen werden.


Wir wollen und werden sie nicht vergessen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Anachron Young
& Dorena Verne
im Namen der "Einwohner" von Dorenas-World

Hier mal ein paar aktuelle Bilder von den "kuscheligen" Zeltunterkünften auf Moria... Sad

[Bild: moria-zelt.jpg]

[Bild: moria-zelt1.jpg]

[Bild: moria-zelt2.jpg]

[Bild: moria-zelt3.jpg]

[Bild: moria-zelt4.jpg]

[Bild: moria-zelt5.jpg]
Dank an Alea Horst, die die Bilder zu Verfügung gestellt hat.
Antworten
#22
Bin sprachlos. Sad

Quelle: https://www.facebook.com/ZDFheute/videos...0345/?t=12

Auch sehr beschämend...
Zitat:Auf den ägäischen Inseln Leros, Samos, Lesbos, Kos und Chios leben über 25.000 Menschen in völlig überfüllten Flüchtlingslagern. Um zu helfen, stehen viele Millionen Euro und Fachkräfte wie das Technische Hilfswerk bereit. Aber die örtlichen Behörden scheinen die Projekte zu unterminieren.

Ausländische Hilfe für in Griechenland untergebrachte Migranten wird einem Medienbericht zufolge erheblich durch örtliche Behörden erschwert. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, sei im März wegen "politischer Probleme" ein Projekt des Technischen Hilfswerks (THW) gescheitert. Im Auftrag der Bundesregierung sollte demnach die Wasserversorgung auf der Ägäis-Insel Samos verbessert werden.

Im THW-Bericht an das Bundesinnenministerium hieß es zum Scheitern des Vorhabens: "Die vordergründig technischen Probleme (nicht ausreichend Wasser im neuen Camp) entpuppen sich bei näherer Betrachtung als politisches Problem (zum Beispiel Abklemmen der Hauptwasserleitung zum neuen Camp) und können daher auch nicht technisch, sondern nur politisch gelöst werden." Laut dem THW wurde die Hauptwasserleitung zum Flüchtlingslager durch eine Gemeindeverwaltung aufgrund von Protesten der Bevölkerung abgeklemmt.
https://www.n-tv.de/politik/Griechische-...MLXy5xiLJg

Antworten
#23
News aus Lesbos
Zitat Alea Horst in facebook
Zitat:Hallo Zusammen,
Kurzes Update aus Lesbos! Nach wie vor unverändert:

Die Zelte haben keinen Boden.
Es gibt kein fließendes Wasser.
Essen wird nur einmal am Tag verteilt, und es ist sehr schlecht. Außerdem ist es zu wenig.
Wenn es regnet, wird das Lager überflutet.
Wenn es warm ist, hält man es kaum aus vor Hitze.
In der Nacht frieren die Menschen.
Es ist ihnen nicht erlaubt zu kochen.
Keine Schule/keine Aktivitäten
Gerade die Männer aus den Großraum Zelten finden keinen Schlaf weil sie mit über 100 Personen darin schlafen.

Am Samstag habe ich jede Menge Essen eingekauft für die Menschen mit Behinderung die wir untergebracht haben. (vielen dank für Eure Spenden!)
Ich freue mich, dass Space-eye erneut die Miete übernimmt für die 6 Personen mit Behinderung, die wir aus dem Camp evakuieren konnten im September. Ich bin sehr dankbar, dass auch der Besitzer der Pension auch eine Verlängerung um einen Monat zugestimmt hat. Nach wie vor ist nicht absehbar, ob und wann die besonders Schutzbedürftigen die Insel verlassen dürfen. Auch Abdulkarim hat noch keine Nachricht erhalten. Er sieht aber wie die Anderen schon so viel besser aus! Nicht zu vergleichen mit dem Adbulkarim, den ich in Moria kennen gelernt habe. Ich wünschte ich hätte die Möglichkeit allen aus dem Camp eine saubere Matratze und eine Dusche zur Verfügung zu stellen.
Leider geht das rechtlich nicht. Wer das Camp ohne spezielle Genehmigung verlässt, dessen Asylprozess wird gestoppt.

Morgen kaufe ich spezielle Schuhe, sowie einen Stützgurt für kranke Patienten von Fabiola, der Physiotherapeutin, die hier unten alles gibt. (Danke für Eure Spende) Ich versuche sie ebenso zu unterstützen was ihr Projekt angeht, aber leider hängt es hier an vielen politischen Entscheidungen. Wir überlegen und tauschen uns aus, hoffentlich gibt es bald etwas mehr Klarheit über die ganze Lage. Angeblich soll es in 2 Wochen dazu eine Stellungnahme geben. Viele Dinge sind unklar: wird das Kara Tepe Camp was so gut aufgestellt ist wirklich geschlossen? Ab nächsten Sommer soll es ein neues Camp geben. Wo wird das neue Camp sein? Wird sich die Bevölkerung hier auf der Insel wieder dagegen wehren? Was passiert bis dahin mit den Menschen in den Zelten? Gerüchten zufolge sollen dann wohl gar keine NGOS mehr hineingelassen werden. Viele Fragezeichen machen die weitere Planung für eine nachhaltige Hilfeleistung leider sehr schwer.

Heute hatte ich eigentlich geplant viele einzelne Spenden zu übergeben, aber da neuerdings Sonntags niemand ins Camp hinein, und auch niemand heraus darf, sind immer noch alle Sachen im Kofferraum.

Generell gibt es schärfere Kontrollen seit den Regenfällen. Freiwillige, die nicht zu den 3 hiesigen NGOS gehören dürfen auch überhaupt nicht mehr ins Camp. Fotografieren von innen und von außen ist ausdrücklich unerwünscht. Wir haben das gestern am eignen Leib von außen erfahren, Freunde aus dem Camp haben ihr Handy abgenommen bekommen, als sie die Auswirkungen des Regens dokumentiert haben. Heute morgen hat es gedonnert in den frühen Morgenstunden. Ich habe lange wachgelegen und gebetet, dass es nicht schüttet und schon wieder alles überschwemmt wird. Auch gestern Nacht was es sehr windig. Ich konnte nicht schlafen durch das sausen und brausen und habe mir vorgestellt wie es für mich wäre nun in einem der Zelte leben zu müssen.
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